Bäckergeselle auf der Walz

27-Jähriger Bäckergeselle kommt auf der Walz ins Töginger evangelische Pfarrhaus

Er wirkt wie aus einer längst vergangenen Zeit. Gekleidet ist er in seiner Kluft mit weiten Schlaghosen aus grobem Cord, Weste und weißem Hemd. Auf dem Kopf trägt er einen schwarzen Hut. Als Zeichen für den Bäckerberuf trägt eine karierte Stoffklappe über den Westentaschen.
So klopfte er eines Abends an die Tür die evangelischen Pfarrers in Töging und bat um eine Unterkunft. Sie wurde ihm gewährt. Beim Frühstück erzählte er von seiner Walz. So heißt die Wanderschaft der Handwerksgesellen. Früher dienten die Wanderjahre nach der Lehrzeit als Vorbereitung auf den Meister. So soll der junge Geselle in verschiedenen Betrieben verschiedenste Techniken des Handwerks kennenlernen. Es gibt einige Regeln, die der junge Mann befolgen muß. U.a. darf er kein Handy besitzen und benutzen. In dieser Zeit darf er sich (bis auf 50 km Umkreis) seinem Heimatdorf nicht nähern. Zu Fuß ist er unterwegs oder per Anhalter. Öffentliche Vehrsmittel sind verpönt. Unterwegs habe er sich immer „ehrbar und zünftig“ zu verhalten, sodass der nächste Wanddergeselle ebenfalls gern gesehen ist.

Roman Horner erzählt, dass er aus Schwabbruck im Allgäu stamme. Im Juli letzten Jahres sei er aufgebrochen. Über Österreich bis nach Ungarn und Sizilien sei er gekommen. In Südtirol arbeitete er auf einer Alm für Kost und Logis und gab dort auch ein Interview in einem lokalen Radiosender. Auf die Frage, ob er nicht Gelegenheit gehabt hätte, in einen Betrieb einzuheiraten, erzählte er vom Burgenland. Dort hätte es der Meister gern gesehen, wenn er mit der Tochter etwas angefangen hätte. Als das mitbekam, habe er das Weite gesucht. Denn unabhängig wolle er sein, um in die Welt hinauszukönnen.
Nach einem Eintrag in sein Wanderbuch mit guten Wünschen und Pfarramtsstempel, ging es weiter Richtung Erharting. Später wollte er vielleicht noch nach Landshut und Regensburg. Aber wer weiß, wo ihn die Wanderschaft hinführt.