Elly Konrad gestorben

Am vergangenen Sonntag (18.September) ist Elisabeth Konrad zuhause gestorben.
Eine heimtückische Krankenheit, die sie vor 11 Jahren tapfer bekämpft hatte, meldete sich wieder zurück. Elisabeth Konrad wurde 73 Jahre alt.
Alle, die sie gekannt haben, werden ihre Art vermissen, wie sie das Leben nachm: voller Lebenslust und Optimismus, voller Tatendrang und Herzlichkeit ihren Mitmenschen gegenüber.

Die Trauerfeier in der Auferstehungskirche findet am Freitag, den 30. September 2016, um 14 Uhr statt.

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Vor einigen Jahren wurde sie in unserem Gemeindebrief portraitiert (anläßlich ihres 35-jährigen Dienstjubiläums). Zur Erinnerung drucken wir diesen Artikel noch einmal ab:
Gesichter: Elisabeth Konrad

Freitag um die Mittagszeit: Frau Konrad wirbelt mit einem Tuch durchs Gemeindehaus und erteilt ihrem Mann, einem stillen Ostpreußen ihre Kommandos: „Peter, du gehst jetzt in die Kirche und schaust nach dem Rechten!“ – „Wie immer! Das brauchst du mir nicht sagen!“ kommt es leise brummend, aber gutmütig zurück. Frau Konrad scheint die Antwort überhört zu haben und spricht weiter: „Die Handwerker sind diese Woche in der Sakristei gewesen. Schau mal, dass alles für Sonntag in Ordnung ist!“
Dann entdeckt sie mich und spricht mich an: „Herr Pfarrer, wussten Sie schon …“ Und dann erzählt sie mir eine lustige Begebenheit oder stellt mir eine Rätselfrage. Aber wenige Augenblicke später kann sie ein ernstes Thema ansprechen. Ich betrachte mein Gegenüber: eine handfeste Frau voller Leben mit wachen, freundlichen Augen. Niemand ahnt, dass sie vor wenigen Jahren eine schwere Krankheit überstanden hat. Ich stelle fest, dass ich eigentlich wenig über meine Mitarbeiterin weiß. Mit ihrem Mann kommt sie jede Woche, hält Kirche und Gemeindehaus sauber. Ich kann mich auf die Konrads verlassen. Ein paar mal habe ich sie zu Hause besucht. Ich nehme mir vor, sie näher kennen zu lernen. Während Frau Konrad die Terrassentür im Gemeindesaal putzt, erzählt sie mir bereitwillig aus ihrem Leben. Nur ab und zu verlässt sie ihre Arbeit und setzt sich zu mir an den Tisch, um dann gleich wieder aufzuspringen und ihre Arbeit weiter zu machen.
Als 11. Kind von „Haisl-leut’“ sei sie in Markt Wartenberg, Kreis Erding in einfachen Verhältnissen geboren. Noch bevor sie 14 Jahre alt wurde, verlor sie beide Eltern. Der Bürgermeister übernahm für sie die Vormundschaft und besorgte ihr einen Ausbildungsplatz als Verkäuferin „mit Familienanschluß“ im Ort. „Eigentlich hatte ich keine richtige Jugend, wenn ich so nachdenke!“ erzählt sie ganz ernst. „Immer nur arbeiten und kaum fort zum Tanzen. Ich war ständig unter Aufsicht. So viele Leute wollten, dass aus mir etwas Anständiges wird!“
Mit 18 Jahre lernte sie den Ostpreußen Peter Konrad kennen – und lieben (wie sie betont). Da beide noch nicht volljährig waren (also noch nicht 21 Jahre), brauchten sie jeweils die Einwilligung des Vormundes bzw. der Eltern um zu heiraten. Kirchlich geheiratet wurde in Ergenschwik, in NRW, wo die Eltern von Peter lebten. Vorher wurde Elisabeth Konrad aber evangelisch mit Unterricht und öffentlicher Konfirmandenprüfung durch den Kirchenvorstand.
In Ergenschwik brachte sie auch ihre beiden Söhne zur Welt. 1966 zog die junge Familie wieder zurück nach Bayern. Der Mann Peter fand Arbeit bei der VAW in Töging. Elisabeth Konrad engagierte sich in der evangelischen Gemeinde, war eine Periode im Kirchenvorstand, leitete für einige Jahre einen Kinderchor. Sie versorgte einige ältere evangelische Gemeindeglieder, wurde aktives Mitglied im Sportverein. Seit 1979 ist sie als Hausmeisterin an der evangelischen Kirche eingestellt und erlebt nun schon die sechsten und siebten Pfarrer als Mitarbeiterin.
2005 erkrankte sie lebensgefährlich. Diese Krankheit überstand sie tapfer. Seitdem würde sie das Leben bewusster leben, meint sie. „Meine Frau kann keine Ruhe geben! Sie ist immer unterwegs. Das ist gut so. Dann denkt sie nicht soviel an ihre Krankheit!“ mischt sich Peter Konrad ins Gespräch ein.
Was denn ihr großes Hobby sei, frage ich zum Abschluß meine Hausmeisterin und sie antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Die Musik!“ Seit sie zu ihrem 18. Geburtstag von ihrer damaligen Chefin einen Operettenbesuch geschenkt bekam, besucht sie – so oft sie kann – Operetten. Und das zweite Hobby? „Die preisgekrönten Katzen!“ meint sie und wird gleich wieder ernst: „Aber das ist ein anstrengendes Hobby zu den Wettbewerben in ganz Europa zu fahren. Das schaffen wir heute nicht mehr. Die letzten beiden Katzen bekommen jetzt noch ein Gnadenbrot bei uns!“