Lettland schafft Pfarrerinnen ab

Nun ist es doch so weit gekommen:
In der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands dürfen Frauen künftig nicht mehr Pfarrerinnen werden. Trotz internationaler Proteste schaffte die Synode der Kirche die Frauenordination am Freitag in Riga ab. Begründet wird diese Entscheidung mit dem Korintherbrief: “Das Weib schweige in der Gemeinde!”
Großes Entsetzen in den Landeskirchen, bei Frauenverbänden. Wut und Verzweiflung.

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So reagiert die Nordkirche

“Wir sehen diese Beschlussfassung außerordentlich kritisch – sie berührt die Grundlagen unserer Kirchenpartnerschaft”, sagte Schäfer. Die Beziehungen zwischen den Kirchenämtern und den Kirchenleitungen der Nordkirche und der lettischen Kirche seien vom Abbruch bedroht.

“Wenn Männer und Frauen nicht gleichermaßen die Sakramente verwalten und das Evangelium öffentlich verkünden können, wird die Gleichrangigkeit von Männern und Frauen in der Beziehung zu Christus bestritten”, heißt es in einem offiziellen Grußwort der Nordkirche an die lettische Synode. Das Papier durfte nicht verlesen werden, wurde aber laut Schäfer in Form von 300 Kopien an die Synodalen verteilt – auf Lettisch.

In Lettland wurden Pfarrerinnen erstmals 1975 zugelassen, damals war das kleine Land an der Ostsee noch eine Teilrepublik der Sowjetunion. Doch Janis Vanags, konservatives Oberhaupt der Religionsgemeinschaft, hat seit seiner Einsetzung als Erzbischof 1993 keine Frauen mehr ordiniert. Diese faktische Verweigerung der Frauenordination wurde nun auch in der Kirchenverfassung festgelegt. Erzbischof Vanags begründet die Ablehnung von Pfarrerinnen mit dem Korintherbrief des Apostels Paulus, in dem Frauen in der Gemeinde zum Schweigen angehalten werden. Der Theologe denkt zudem, dass liberale Protestanten gegenüber einem autoritären System nicht bestehen könnten.

Pfarrerinnen reagieren solidarisch

Unter anderem hatten Pastorinnen aus der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers in einem offenen Brief gegen die Pläne der Schwesterkirche in Lettland protestiert und betont, sie teilten den Zorn und die Trauer ihrer Schwestern: “Der freie Zugang von Männern und Frauen zum geistlichen Amt und zur Verkündigung ist unverzichtbarer Bestandteil reformatorischer Kirchen”, hieß es. (epd)

kathin Oxen

Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur in Wittenberg (einer von der Evangelischen Kirche in Deutschland getragenen Einrichtung) reagiert sofort:
“Allerdings habe ich für Handarbeiten keine Zeit, weil ich vier Kinder habe und in Vollzeit als Pastorin arbeite. Das haben Frauen in der Kirche erreicht in den letzten 75 Jahren, auf einem langen und mühsamen Weg durch die Gesellschaft und durch die Institutionen. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich hier stehe. Das wird mir an einem Tag wie heute bewusst. Denn das Pfarrerdienstrecht der VELKD ist jünger als ich – vor 1978 hätte ich mich wegen der „Zölibatsklausel“ noch entscheiden müssen, ob ich lieber Pastorin sein möchte oder heiraten und eine Familie haben.
Ich denke heute auch an die vielen Frauen, die vor solche schwerwiegenden Entscheidungen gestellt waren: Beruf oder Familie, auch wenn sie nicht Pastorin sein wollten, sondern einfach nur berufstätig. Oft haben sie auf eines von beiden verzichten müssen. Ich möchte nicht vor solche Entscheidungen gestellt sein. … Und ich möchte, dass in allen Kirchen Frauen auf der Kanzel stehen können!”