Reformation und Toleranz: Leuenberger Konkordie

Wer auf die Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Evangelischen ungeduldig wartet, darf nicht vergessen: Selbst lutherische und evangelisch-reformierte Christen brauchten rund 450 Jahre, bevor sie Brot und Wein am Altar miteinander teilten: 1973, vor 40 Jahren, wurde auf dem Leuenberg bei Basel der endgültige Text der Konkordie (= verbindliche Vereinbarung) der  evangelischen Kirchen fertig! Sie wurde bald kurz und bündig “Leuenberger Konkordie” genannt. Seit 1973 besteht “Kirchengemeinschaft” trotz aller Ver-schiedenheit zwischen den reformierten, lutherischen und den aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen, sowie zu den vorreformatorischen Kirchen der “Böhmischen Brüder” und der “Waldenser” (v.a. Italien).

Im 16. Jahrhundert zerbrach nicht nur die Einheit der westeuropäischen Christenheit in eine katholische und evangelische Richtung, der Bruch durchzog auch die reformatorische Bewegung. Bereits zu Beginn haben sich verschiedene Traditionen herausgebildet. Die größten waren die lutherische, die sich an Martin Luther orientierte, und die reformierte Bewegung, deren bekannteste Vertreter anfangs Ulrich Zwingli und später Johannes Calvin waren. Vor allem im Verständnis des Abendmahls, ob Brot und Wein tatsächlich zum Leib Christi wurden (lutherisch) oder die Elemente nur Symbole Christi waren (reformiert) konnte keine Einigung gefunden werden.

Ob Christus im Abendmahl wirklich präsent ist oder nur als Symbol verstanden wird, mag in der Wahrnehmung vieler Christen heute wohl kaum noch eine Rolle spielen. Dass diese Frage jahrhundertelang ein Zwist zwischen den Kirchen der Reformation war, ist heute auch kaum noch zu vermitteln. Doch vor 40 Jahren war die “Leuenberger Konkordie” ein Meilenstein der Kirchengeschichte: Die Evangelischen begruben nach jahrzehntelangem Bemühen ihre “Kriegsbeile”. Mit der Konkordie wurde Kanzel- und Abend-mahlsgemeinschaft gewährt, auch die Ordination der Geistlichen wird seitdem gegenseitig anerkannt. Das heißt: Ein lutherischer Pfarrer darf auf einer reformierten Kanzel predigen und sein reformierter Kollege in einer lutherischen Kirche Abendmahl feiern. Die Leuenberger Konkordie bügelt die Differenzen zwischen den Konfessionen nicht glatt. Aber die unterschiedlichen Ansichten sind nicht mehr entscheidend.

Heute ist die Leuenberger Konkordie Grundlage der “Gemeinschaft Evan-gelischer Kirchen in Europa” (GEKE) mit geschätzten 50 Millionen Mitgliedern. 105 lutherische, methodistische, refor-mierte und unierte Kirchen aus über dreißig Ländern Europas gehören dazu.

Die katholische Kirche sieht kein Vorbild für Ökumene

Die Leuenberger Konkordie mit ihrer Version der “Versöhnten Verschieden-heit” könnte nach evangelischer Mei-nung durchaus ein Vorbild für die Öku-mene zwischen der evangelischen und katholischen Kirche sein. Aber wichtige Vertreter der katholischen Kirche, wie der ehemalige Ökumene-Beauftragte Kardinal Walter Kasper und sein Nach-folger Kardinal Kurt Koch erteilen dem Leuenberger Modell eindeutige Ab-sagen.
Johann-Albrecht Klüter

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