Reformation und Toleranz: Dem Thema angenähert aus der Sicht des Religionsunterrichts

in Blick auf die lateinische Herkunft des Wortes hilft schon ahnen, warum Goethe die Toleranz nur vorübergehend ‚tolerieren’ will: Denn das Wort stammt ab von “tolerare” was so viel heißt wie “erdulden, erleiden, aushalten”.

In der Grundschule haben wir uns mit dem Begriff “Toleranz” beschäftigt – gemeinsam überlegt, was “Toleranz” für uns bedeutet. Manche kannten zwar das Wort zu Anfang nicht, konnten aber schnell mit ein wenig Hilfestellung ihre Sichtweise erklären:
“Toleranz bedeutet für mich, dass jeder so sein darf, wie er ist – also dass ich mich nicht verstellen muss, um anderen zu gefallen; aber auch, dass ich mal akzeptiere, wie der andere ist, und was der so denkt und will”.
“Toleranz, das ist, wenn keiner haut und keine Gewalt ist”.
“Und wenn ich einem helfe, den ich eigentlich gar nicht mag, aber trotzdem etwas für ihn tu!”
“Wenn mich meine Mama mich mit meinem Freund spielen lässt, auch wenn sie dem seine Mama gar nicht versteht, weil die türkisch ist”.
“Toleranz bedeutet für mich, dass niemand ausgelacht wird, ganz egal ob er Ausländer ist, eine Behinderung hat oder dick ist.”
“Toleranz ist, wenn alle Menschen gleich wert sind, egal welche Hautfarbe sie haben oder welche Religion!” (Wir hatten in den Stunden vorher über Anne Frank und Martin Luther King gesprochen).

Ja, die Kinder sind ganz schön nachdenklich mit ihren “Urteilen” und sie haben verstanden, dass es beim Thema Toleranz um mehr geht als nur einfach den anderen aushalten. Und wenn einer sagt, dass es doch viel wichtiger ist, in jedem Menschen ein Kind Gottes zu sehen (so wie man selber eines ist), weil “wenn man jemanden mobbt, dann muss man sich ja selber vorstellen, wie es ist, wenn man selber gemobbt wird!”  ja, dann freue ich mich, dass die Kinder die Goldene Regel längst begriffen und verinnerlicht haben. Denn es geht um viel mehr als nur den anderen zu “erdulden”, sondern eben darum, Menschen in ihrer Verschiedenheit anzunehmen, um Nächstenliebe, auch um die Wertschätzung anderer Glaubensrichtungen und Religionen, eben: allen Menschen auf Augen-höhe zu begegnen.
Die Kirche hat sich über die Jahrhunderte damit immer wieder schwer getan – auch die Reforma-toren – aber wie gut zu wissen, dass das Bedürfnis und die Fähig-keit zu echter gegenseitiger Annahme in jedem Menschen steckt und immer wieder aktuell ist, auch bei unseren jungen Gemeindemitgliedern!
Toleranz sollte nur eine vorübergehende Haltung sein – sie muss zur Anerkennung führen
oder gut reformatorisch auf die Bibel gegründet und mit Jesu Worten ausgedrückt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Mt 12.29-31) – und: Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! (Mt 7.12)

Übrigens stand am Ende unserer Religionsstunde an der Tafel:

  • T – füreinander etwas tun
  • O – offen sein für das, was der andere denkt  und offen sein für den Kummer des anderen
  • L – Liebe, gemeinsam lachen und sich gemeinsam freuen
  • E – ehrlich sein
  • R – Rücksicht nehmen
  • A – akzeptieren, aufeinander zugehen, alle sind ein Kind Gottes
  • N – nicht ausgrenzen, niemanden verletzen mit Worten und mit Gewalt
  • Z – zuhören und zusammenhalten

Anke Sänger, Pfarrerin

“Toleranz sollte nur eine vorübergehende
Haltung sein, – sie muss zur
Anerkennung führen”, sagte J.W. von
Goethe.
Es reicht also nicht, nur zu tolerieren,
etwas oder jemanden zu dulden.
Dabei geht es um Religionsfreiheit,
um Toleranz in unserem Glauben,
um ein Annehmen von Menschen
auf gleicher Augenhöhe (Inklusion),
um Gleichberechtigung, um Nächstenliebe
und um das Annehmen
von Migrantinnen und Migranten.

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