Schöner Festgottesdienst und gelungenes Gemeindefest

Stimmgewaltig und mit kraftvollen Tönen begann die evangelische Gemeinde ihren Festgottesdienst anläßlich 60 Jahre Auferstehungskirche: Der Gospelchor Masithi unter der Leitung von Cornelia Klüter und mit instrumentaler Unterstützung an der Gitarre, dem e-Piano und an den Bongos durch die Bert-Umminger-Jazzband, sangen sie „Power“ von Myrna Summers von der Empore und stimmten die vielen Besucher auf einen ungewöhnlichen Gottesdienst ein.

Oberkirchenrat Michael Martin hielt die Festpredigt

Oberkirchenrat Michael Martin hielt die Festpredigt

Aus München reiste Oberkirchenrat Michael Martin an, der auch die Predigt halten durfte. „Richtet nicht, so werdes ihr nicht gerichtet werden, bittet, so wird Euch gegeben; sucht, so werdet Ihr finden; klopft an, so wird Euch aufgetan“ diese berühmten Worte aus der Bergpredigt nannte er die Koordinaten für einen Kompaß, den Jesus uns mitgeben hat für das Zusammenleben in der Kirchengemeinschaft, der Gesellschaft und in der ganzen Welt. Ein Orientierungsrahmen für das Leben das auch überkonfessionell gilt und Martin erinnert daran, das es bei dieser 60 Jahrfeier ja darum geht: die Gemeinschaft. Die meisten Evangelischen sind erst nach 1945 nach Töging gekommen, als Fremde, als Flüchtlinge und Zuwanderer. Heute gehören sie ganz selbstverständlich dazu und das Zeichen dafür ist die Auferstehungskirche, die deutlich gemacht hatte: Ja, wir wollen hier an diesem Ort leben. Martin forderte die Gemeinde auf, auf die Anderen zu zugehen. „Schafft eine Willkommenskultur und überwindet die Anfeindung und Abgrenzung vor den Fremden. Und plappert nicht einfach die Vorurteile nach. Seid neugierig, geht auf sie zu“, denn, so Martin weiter, hier in Töging könne man lernen, das Unterschiede und Verschiedenheiten nicht erschrecken müssen und dass dieser Kompaß ein Wegweiser für das Leben miteinander sei.

So musikalisch schwungvoll und ausdrucksstark, wie der Gottesdienst begonnen und begleitet wurde, endete er auch. Der gesamte Chor und die Jazzband trat von ihrer Empore hinunter und schmetterte im Altarraum den Besuchern ein gospeliges „Jambo“ entgegen und steckte damit die Besucher mit ihrer Fröhlichkeit an, und diese quittierten das mit einem kräftigen Applaus.
Mit „Jubiläen sind dazu da, sie zu feiern“ leitete anschließend der stellverstredende Landradt Stefan Jetz
in der Kirche sein Grußwort ein und erinnerte sich beim Blick auf das auf dem Altar stehende Kreuz aus Aluminium, dass damals die VAW mitgeholfen hat, diese Kirche entstehen zu lassen. Er wünschte dem Pfarrer Klüter und der Gemeinde, dass sie wie die ersten Jünger vom Geist der Auferstehung erfüllt werden und bleiben.

Der erste Bürgermeister von Töging, Dr. Tobias Windhorst hat zur Auferstehungskirche eine besondere Verbindung, ist er doch hier getauft und konfirmiert worden und auch seine Tochter wurde hier erst kürzlich getauft.
Er lobte die Arbeit des Pfarrers und der Kirchenvorstände und ermunterte weiter ein Kompaß in für den Glauben nicht ganz so einfachen Zeiten, wie er meint, zu sein.
Als Verteter der Töginger und Erhartinger katholischen Pfarreien überbrachte Pfarrer Lang seine Glückwünsche und dankte für die gute ökumenische Zusammenarbeit. Er überreichte Pfarrer Johann-Albrecht Klüter, dem Hausherrn der Auferstehungskirche, das neue und druckfrische Gotteslob.
Die Regenbogenschule verbindet nicht nur die Nachbarschaft zueinander, sondern sie war auch in der Zeit vor dem Bau der Auferstehungskirche Heimat der evangelischen Gemeinde in Töging, die im Keller der Schule ihre Gottesdienste abhalten durfte. So überbrachte der derzeitige Rektor Wimmer seine Glückwünsche. Auch er sei ein Töginger Produkt und 60 Jahre alt und lobte die schulische Zusammenarbeit als ein konstruktives Miteinander und gelebte Ökumene zum Wohle der Kinder.
Diakon Robert Münderlein,Mitglied der Landessynode(kirchliches Parlament) und Vertreter der Diakonie Traunstein,  gratulierte den Tögingern zu ihrem Eigensinn und Gottvertrauen, denn mit Unterstützung der politischen Gemeinde und den beiden Großbetrieben konnte die Gemeinde ihr Bauvorhaben damals auch gegen die Landeskirche durchsetzen. Selbstbewußt bezeichnete er die Töginger Gemeinde, die stets nach Niederlagen oder Krisen gut „auferstanden“ und die in den 60 Jahren mit den vielen erlebten Flüchtlingsströmen gut umgegangen sind. So wie das Aluminiumkreuz an die Wurzel dieser Kirche erinnert, so sind es die christlichen Wurzeln, die immer wieder die Auferstehung im Alltag möglich machen, so Münderlein weiter.
Pfarrer Christian Peiser, stellvertretender Dekan des Dekanats Traunstein, zollte der Gemeinde seinen Respekt, da hier in Töging viele Menschen aus allen Regionen und Herkünften ihre geistliche Heimat gegeben wurde.
“60 Jahre ist zwar nicht lang, aber doch eine ganz wichtige Wegstrecke.” meinte Oberkirchenrat Michael Martin,
und lobte die Gemeinde für die große Kraft, die sie bei der Integration entwickelt hatte. So war es eine lange Wegstrecke bis die Ökumene ganz selbstverständlich geworden ist, die Evangelischen in Oberbayern einfach dazu gehören und ein Oberbayerischer Ort sogar einen evangelischen Bürgermeister hat.

Beim anschließenden Gemeindefest zeigte sich, wie lebendig die Gemeinschaft ist und wie sehr die Wünsche aus der Predigt hier bereits gelebt werden: Herzliche willkommen waren neben den zahlreichen Gästen waren auch die aktuellen in Töging lebenden Flüchtlinge aus Afghanistan und Eritrea mit ihren Kindern, die sich hier sichtlich wohl und gut aufgehoben fühlten. Neben einem gemeinsamen Mittagessen und Kaffe und Kuchen auf dem Kirchenvorplatz und im Garten, wurden für die Kinder eine Schatzsuche um das Kirchengelände organisiert, im Indianerzelt unter den Bäumen Geschichten erzählt, im Schatten eines großen Baumes Kinderschminken und hinter dem Gemeindehaus Ponyreiten angeboten. Mit einer Kuschte hatten die Besucher Gelegenheit mit 2 PS einen kleinen Ausflug in die nähere Umgebung der Auferstehungskirche zu machen. /reu