Zur Geschichte der Kirchengemeinde

Die evangelische Gemeinde von Töging – Neumarkt/St.Veit feiert am kommenden Sonntag (14.07.) ihre Selbständigkeit mit einem großen Festgottesdienst in der Auferstehungskirche. Die musikalische Umrahmung übernimmt die Jugendband „Intime“ und Kirchenmusikerin Cornelia Klüter an der Orgel. Festprediger wird Dekan Peter Bertram aus Traunstein sein.

Töginger Auferstehungskirche

Bis in die 1930er Jahre war Töging ein kleines katholisches Bauerndorf im Inntal. Mit der Industrialisierung Tögings, die mit dem Kanal bereits 1917 begann, kamen viele Arbeiter aus ganz Deutschland hierher und suchten Beschäftigung. Sie wurden mit ihren Familien in der schnell errichteten Stammarbeitersiedlung untergebracht. Unter den zugereisten Arbeitern und Handwerkern gab es auch etliche Evangelische, die von Mühldorf aus betreut wurden.
Die Bevölkerung explodierte quasi nach dem 2. Weltkrieg, als viele, auch evangelische Flüchtlinge nach Töging kamen. Sie wohnten in einem Flüchtlingslager im Industriegebiet nahe des Kanals. Früher wurden hier Fremd- und Zwangsarbeiter und später auch Kriegsgefangene untergebracht, die in der Industrie arbeiten mußten. Wie überall in Deutschland herrschte große Not und die evangelische Gemeinde Mühldorf versuchte neben der politischen Gemeinde und Hilfsorganisationen durch Sachspenden die Not zu lindern.

Flüchtlingslager im Industriegebiet

Stammarbeitersiedlung

Zu den Gottesdiensten trafen sich die Evangelischen nach dem Krieg in verschiedenen Räumlichkeiten Tögings, u.a. auch im Vereinsheim am Beethovenplatz. Später fanden sie eine dauerhafte Bleibe im Keller der Volksschule I (heute: Regenbogenschule), wo es einen kleinen Kinosaal gab.
Erste Aufzeichnungen über eine evangelische Gemeinschaft in Töging lassen sich in einem „Protokollbuch des Vereins des protestantischen Mühldorf und Umgebung“ finden, das ab dem 14. Mai 1948 in Töging als Protokollbuch des Kirchenvorstandes Töging fortgesetzt wurde. Hier wird unter dem Datum 14.Mai 1948 erwähnt, dass „die evang.luth. Tochterkirchengemeinde Töging gebildet ist und mit der Eigenschaft einer Körperschaft öffentlichen Rechts durch staatliche Verleihung erlangt hat.“
Der eigentümliche Begriff „Tochterkirchengemeinde“ stammt aus dem evangelischen Kirchenrecht und bezeichnet Filialkirchen und Seelsorgeeinheiten, denen von der Gesamtpfarrei (hier Mühldorf) kirchliche Rechte und Pflichten (wie z.B. Finanzen) übertragen werden. Dadurch erlangt dieser Kirchenbezirk eine teilweise Autonomie. In wichtigen Fragen blieb die „Tochterkirchengemeinde“ jedoch von der Gesamtgemeinde, vom gemeinsamen Pfarramt abhängig. Pfarrer Dr. Weichlein, geschäftsführender Pfarrer der Großgemeinde Mühldorf hatte den Vorsitz auch in Töging.
In der ersten Kirchenvorstandswahl in Töging 1948 wurden aus 12 Kandidaten gewählt: Hans Lange (Werkmeister), Lorenz Leikam (Schlosser), Dipl.Ing. Wilfried Stein, Ernst Beisner (Schreiner) und Leonhard Seyffahrt (techn. Zeichner). Bis zum Zusammenbruch der Industrie in den 1990er Jahren dominierten die Mitarbeiter des Innwerkes und der VAW die Geschicke der Gemeinde.

Volksschule I von 1930

Von Anfang an gab es in Töging den Wunsch nach einem wie auch immer gestalteten Gotteshaus. Obwohl den Evangelischen von der politischen Gemeinde ein Grundstück unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde, lehnte die Landeskirche immer wieder das Ansinnen eines Kirchenbaus ab.
Wie sollte die neue Kirche aussehen? Eine Baracke, Notkirche oder „richtige“ Kirche? Wie konnten die Evangelischen diese finanzieren? Das nahm einen breiten Raum in den Sitzungen des Kirchenvorstandes ein. Wie kann man den Wunsch auch gegen die abschlägigen Bescheide aus München dennoch realisieren?

Bau der Evangelischen Kirche 1953-1954

Am 11. Januar 1953 erwarb die evangelische Tochterkirchengemeinde das Baugrundstück Nr.924 zwischen Volksschule und Bahn an der Erhartinger Str. von der Marktgemeinde Töging für einen Kaufpreis von 5000.- DM, um darauf eine Kirche zu errichten. Damit setzte sie die Landeskirche vor vollendete Tatsachen. Diese gab nach und versprach eine Zuweisung von 5000.- DM. Der gleiche Betrag wurde auch jeweils von den Innwerken und der V.A.W. als Zuschuß gewährt. Die Diasporawerke beteiligten sich ebenfalls mit großzügigen Spenden am Kirchenbau. 1954 wurde dann schließlich die Auferstehungskirche fertiggestellt und eingeweiht.
Nach dem erfolgreichen Kirchenbau beschäftigte sich der Kirchenvorstand dann mit dem Bau eines „Pfarrhauses mit Gemeindesaal“. Wie beim Kirchenbau engagierte sich wieder das Innwerk mit der Anfertigung von Planskizzen, die dem Antrag (1959) an den Landeskirchenrat beigefügt wurden. In das neue Pfarrhaus sollte dann ein eigener Seelsorger einziehen. Dazu wurde die Umwandlung des Pfarrvikariates Mühldorf in eine 2. Pfarrstelle beantragt, dessen Sitz in Töging sein sollte.

Das Pfarrhaus (Aufnahme 1974)

Nach langem Zögern wurde 1961 von der Landeskirche dazu grünes Licht gegeben und der Bau konnte beginnen. 1962 wurde die 2. Pfarrstelle für Mühldorf genehmigt. Pfarrer Eberhard Przemeck zog mit seiner Familie ein Jahr später als
2. Pfarrer von Mühldorf in das neue Pfarrhaus in Töging. Seelsorgerlich hatte er neben Töging (und Erharting) auch den nördlichen Landkreis von Mühldorf (Neumarkt-St. Veit und Umgebung) zu betreuen. Dort gab es schon seit 1952 eine sog. „Notkirche“, die auch als Gemeindesaal genutzt werden konnte.

Am 25. März 1968 faßte der damalige Kirchenvorstand der Tochterkirchengemeinde Töging den Beschluß, die Pfarrstelle in ein selbständiges Pfarramt umzuwandeln. Ein diesbezüglicher Antrag wurde an das Landeskirchenamt in München geschickt. Dekan Klein aus Traunstein unterstützte den Antrag: „Seit 1964 ist die Kirchengemeinde Töging eine selbständige Kirchengemeinde beim Pfarramt Mühldorf am Inn. Sie verfügt über eine eigene Kirche, ein eigenes Pfarrhaus und Gemeindehaus mit einem großen Grundstück. Ferner ist Töging der Dienstsitz des 2. Pfarrers von Mühldorf.“
Im damaligen Kirchenvorstand Töging waren vertreten: Dipl.Ing. Wilhelm Wedemeyer, Leonhard Seyffarth (Technischer Zeichner), Hans-Joachim Windisch (Bauingenieur), Dr. Georg Prechtl (Syndicus) und Hans Seidl (Oberlehrer). Die Kirchengemeinde Töging umfaßte damals ca. 750 Gemeindeglieder. Dies war für ein selbständiges Pfarramt damals auch schon eine zu kleine Seelenzahl. Da bot sich der nördliche Landkreis Mühldorf mit der Stadt Neumarkt-St. Veit und den umliegenden Dörfern (ca. 450 Evangelische) an. Dieser Bereich gehörte bereits zum Seelsorgesprengel des 2. Pfarrers von Mühldorf. Während in Töging für die Umwandlung zum selbständigen Pfarramt ein Kirchenvorstandsbeschluß ausreichend war, mußte im Neumarkter Sprengel eine „Gemeindeversammlung mit Abstimmung“ stattfinden. In Neumarkt-St. Veit handelte es sich ja streng genommen um eine „Umgliederung von Gemeindegliedern“. Diese Abstimmung fiel dann positiv aus und der Name der neuen selbständigen Kirchengemeinde lautete nach der Zustimmung der Landeskirche, die am 10. Juni 1968 erfolgte: „Kirchengemeinde Töging – Neumarkt-St. Veit“.
Dekan Müller begründete die neue Namensgebung mit den Worten: „ …um damit zum Ausdruck zu bringen, daß Neumarkt-St. Veit eine wesentlich ältere ev. Tradition hat, und der nördl. Ldkr. Mühldorf (nun) von Töging aus betreut wird.“
Die Erhebung zur stelbständigen Pfarrei erfolgte dann am 29. Januar 1969 durch den Landeskirchenrat.
Nachberufen in den Kirchenvorstand wurden Franziska Weideck (Hausfrau) aus Töging und Oberinspektor Jahn (nach Rücktritt von Herrn Seidl), sowie Hans Burwitz (beide Herren aus Neumarkt-St. Veit). Damit zählte der Kirchenvorstand 9 Mitglieder (mit dem vorsitzenden Pfarrer Eberhard Przemeck).

(Fotos Kirche und Pfarrhaus aus dem Archiv der Kirchengemeinde / Die restlichen Fotos aus: httpswww.toeging.destadtinfotoegings-geschichte.htm)

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