Zwischen Bedauern und Zorn

Reaktionen der bayerischen Kirchenleitung zur Abschaffung der Frauenordination in Lettland

Die Spitzenvertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern haben am Wochenende kritisch reagiert auf die Entscheidung der Synode der lutherischen Kirche in Lettland, die 1975 dort eingeführte Ordination von Frauen wieder abzuschaffen.

Er „bedauere diese Entscheidung sehr“, so der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende auf seiner Facebook-Seite. Leidtragende sei vor allem die lettische Kirche selbst, „weil sie sich des großen Reichtums von Frauen im ordinierten Amt beraubt.“ In der bayerischen Landeskirche habe es „lange genug gedauert, bis wir die Frauenordination eingeführt haben. Nie und nimmer würden wir heute auf den großen Reichtum verzichten wollten, der damit in unsere Kirche gekommen ist“, so Bedford-Strohm.

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Riga – Hauptstadt von Lettland. (Mit rund 700.000 Einwohnern größte Stadt des Baltikums. Die alte Hansestadt ist berühmt für ihre Jugendstilbauten und ihre großzügige Anlage sowie für die gut erhaltene Innenstadt, darunter besonders die Altstkirchen.)

Mit Unverständnis kommentierte die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, die lettische Entscheidung: „Das ist ein Votum, das zornig macht. Wie in Bayern gibt es in Lettland seit über 40 Jahren offiziell die Frauenordination. Wie kann es sein, dass die exzellenten Erfahrungen mit Pfarrerinnen keine Lehre gewesen sind?” Breit-Keßler verwies darauf, dass die lettische Auslandskirche, deren Gemeinden verstreut über Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien und Neuseeland liegen, inzwischen innerhalb Lettlands eine Propstei gegründet habe. Theologinnen, die ihre Kirche verlassen hätten, seien nun in der lettischen Auslandskirche tätig und dort sehr willkommen.

Die Präsidentin der bayerischen Landessynode Annekathrin Preidel erinnerte daran, dass nach dem Zeugnis der Bibel alle eins seien in Christus. Der Apostel Paulus betont im Brief an die Galater (Kapitel 3, Vers 28), dass es in der Gemeinschaft der Kinder Gottes keine Unterschiede und Hierarchien zwischen Männern und Frauen gibt. Darum seien zur Verkündigung des Evangeliums Frauen und Männer beauftragt. Sie sei stolz, so Preidel weiter, dass vor kurzem in Bayern das 40-jährige Jubiläum der Frauenordination gefeiert werden konnte. „Damit haben wir Gott sei Dank frauenfeindliche Tendenzen überwunden, die sich an Christus vorbei in unsere Kirche eingeschlichen haben und die in der lettischen Kirche offenkundig leider noch immer Bestand haben“, so Preidel.

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Jesus und Maria Magdalena. (Hier werden Jesus und Maria Magdalena ganz bewusst gemeinsam auf Augenhöhe stehend dargestellt. Maria Magdalena steht hier als selbstbewusste Frau)

Die Synode der lutherischen Kirche in Lettland argumentiere mit einem einzigen Satz der Bibel gegen die Frauenordination: ‘Das Weib schweige in der Gemeinde’ (1. Korinther 14, 34), so Preidel. Doch dieses Bibelverständnis sei „nicht lutherisch“. Folge man „Luthers Idee einer Mitte der Schrift, dann gibt es Bibelstellen, die so hell leuchten, dass sie andere Bibelstellen in den Schatten stellen. Für Luther war diese leuchtende Mitte der Schrift das Evangelium Jesu Christi. Schriftgemäß ist, was im Sinne des Verkündigung Jesu Christi ist. Jesus hatte nicht nur Jünger, sondern auch Jüngerinnen. Am Ende halten ihm nur die Frauen die Treue. Und am Ostermorgen sind sie die Ersten, denen Jesus erscheint. Maria Magdalena wird in Johannes-Evangelium, Kapitel 20, Vers 17 ausdrücklich zur Verkündigung des Auferstehungsevangeliums beauftragt. Einige Kirchenväter nennen sie sogar die „Apostolin der Apostel“.

München, 6. Juni 2016
Johannes Minkus, Pressesprecher