Kurzfilme mit staken Themen
Die Vergessenen – so könnte man das Filmprogramm zusammenfassen, denn die Filme handeln von Menschen, deren Lebensrealitäten nur selten im Film erzählt werden: Strafgefangene, Arbeitslose, Migrant:innen, Geflüchtete, Streetgangs und Bewohner:innen eines Berliner Arbeiterviertels.
Prof. Rolf Teigler, Regisseur, Autor, Tonmeister und Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, kommt am Freitag, den 20 Februar mit einer ganzen Reihe von Kurzfilmen im Gepäck zu uns nach Töging in die Auferstehungskirche. Zusammen mit einer Gruppe aus Laiendarstellern und professionellen Filmschaffenden sind unter der Leitung von Rolf Teigler Filme mit starken Themen entstanden.
Es sind ausdrücklich Spielfilme, die jedoch eng an die Biografien ihrer Protagonist:innen angelehnt sind. Die Darsteller:innen erarbeiten gemeinsam mit Teigler Geschichten und ihre Figuren, die neue Namen, Familienkonstellationen oder Kostüme erhalten, deren Konflikte jedoch aus realen Erfahrungen hervorgehen. Dieser Ansatz erzeugt eine besondere Nähe zum Stoff: Die Laiendarsteller:innen agieren unverstellt und verleihen den Figuren eine Authentizität, die man im klassischen Schauspiel selten findet. Aus biografischen Fragmenten entstehen so Geschichten, die berühren, irritieren, manchmal auch humorvolle Momente offenbaren.
Die Filme laufen auf Festivals, in Programmkinos und Galerien, werden im Fernsehen ausgestrahlt und sind als DVD oder Stream verfügbar. Professionelle Filmschaffende aus den Bereichen Kamera, Ton, Montage, Musik, Kostüm oder Produktion unterstützen die Projekte. Die Zusammenarbeit gilt als Beispiel für eine künstlerische Praxis, die gesellschaftliche Realität konsequent einbezieht und Menschen zu Wort kommen lässt, die im öffentlichen Diskurs häufig überhört werden.
Mit Leinwand statt Altarbild und Filme statt Predigt erhalten die Botschaften der erzählten Geschichten in der Kirche als Aufführungsort eine zusätzliche Dimension. Rolf Teigler als Regisseur führt durch das Programm und wird uns Einblicke in die Welt der Filmschaffenden geben. Im Anschluss der Veranstaltung steht er zusammen mit einem der Darsteller für Gespräche gerne zur Verfügung.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind herzlich willkommen.
Beginn ist 19 Uhr.
Am Samstag, den 21. Februar, lädt Rolf Teigler zu einem Workshop für interessierte Laien zur Kurzfilmproduktion von starken Themen. Anmeldung und weitere Infos.
Das Programm:

Der große Hamoudi
2011 Spielfilm, 16 Min
Buch: die Darsteller und Rolf Teigler
Ein Film mit allein reisenden jungen Flüchtlingen über
große Träume und die böse Macht der Erinnerung.
Produktion der garten Filmproduktion, Jost Hering Filme
Förderung: Fonds Soziokultur, ProAsyl, mit Unterstützung von ARRI Rental
Festivals:
2012 Festival for Human Rights, Barcelona;
2012 Filmtage Frankfurt;
2013; Independant Days Karlsruhe;
https://www.missingfilms.de

Nachtweyhs Nacht
2010 Spielfilm, 16 Min
Buch: Wolfgang Heyder Regie: Rolf Teigler
Nach einer Kurzgeschichte von Wolfgang Heyder.
Produktion der garten Filmproduktion, Frecher Spatz e.V.
Felix Nachtweyh macht seine allabendliche Runde durch das verlassene Kaufhaus. Während seines Rundganges taucht er ein in eine vergangene Zeit.
Der Film zeigt die Tragödie des einsamen Nachtwächters auf magische Weise und stellt gleichzeitig unsere Wahrnehmung der Realität in Frage.
Produktion der garten Filmproduktion, Frecher Spatz e.V.

Opfer
2005 Spielfilm, 3o Min
Buch: die Darsteller:innen und Rolf Teigler
Ein Kurzfilm zum Thema Gewalt in den Familien
In einem herunter gekommenen Wohnblock suchen zwei junge Frauen nach den Gründen für einen brutalen Angriff auf einen Nachbarn und erfahren, dass eine Tat sich manchmal anders darstellt als zunächst angenommen.
Produktion: der garten Filmproduktion
Förderung: S.T.E.R.N. GmbH, Quartiersmanagement Moabit West

Frühstück ab 8
2002 Spielfilm, 3o Min
Buch: die Darsteller:innen und Rolf Teigler
Ein kleines Märchen aus einer Moabiter Eckkneipe über eine Frau von der Straße, einen ukrainischen Balaleikaspieler und ein Konzert mit den Kartenspielern vom Stammtisch.
Förderung: S.T.E.R.N. GmbH, Quartiersmanagement Moabit West

Frischfleisch
2000 Spielfilm, 35 mm, 15 Min
Von und mit Gefangenen der Jugendstrafanstalt Ichtershausen.
Ein 17 jähriger erlebt die ersten Tagen in einer Gefängniszelle mit zwei älteren Insassen. Er lebt in einem Alltag zwischen Langeweile, Gewalt und Unterdrückung hinter verschlossenen Türen.Produktion: der garten Filmproduktion; Kinder- und Jugendtheater Nordhausen
Förderung: Kulturelle Filmförderung Thüingen
Filmfestivals: Dresden, Emden, Frankfurt, Münster, Babelsberg, Selb

